Ötztal

 

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Nachdem wir uns am ersten Tag mit dem Pitztal gut einrollen konnten, folgte am zweiten Tag bei herrlichem Wetter ein anderes Kaliber: die Ötztaler Gletscherstraße mit dem Ziel am Rettenbach- bzw. Tiefenbachgletscher auf 2829 m!! (bekannt auch als Etappenzielort der Deutschland Tour).

 

 

 

Von unserem Camping  platz Oberland zweigte bereits nach ca. 2 km die Straße ins Ötztal ab. Von Ötz (820 m) aus standen zu Beginn etwa 40 km mäßiger Anstieg in Richtung Sölden (1377 m) vor uns.

 

 

 

 

 

 

 

Im Nachhinein betrachtet fand ich persönlich das Ötztal das schönste der drei Täler. Zwischen engen feslsigen Schluchten und weiten flachen Talebenen ging es abwechslungsreich und kurzweilig in Richtung Sölden. Nur das Sölden diesmal nicht unsere Endstation war, sonder erst der Beginn eines wirklich quälenden Anstiegs...

 

 

 

 

... denn direkt in Sölden begann bereits ein kleiner Vorgeschmack auf das Kommende: Mit 10 % ging es noch im Ort bis zur Abzweigung bergan. Links geht es über das Timmelsjoch (2509 m) Richtung Meran (welches ich von Meran aus bereits im Jahr 2005 gefahren bin), rechts zweigt die Straße ab zum Gletscher! "Nur" knapp 12 km Anstieg, ABER über 1400 Höhenmeter, das macht durschnittlich über 11 % Steigung!!! Mit voller Euphorie biegt man rechts ab und steht wie vor einer Mauer...

 

Höhenprofil "Rettenbachferner/Tiefenbachferner"

 

 

Schlagartig gehts mit 15 % unten rein und das wars dann auch mit dem runden Tritt! Auch die Schilder in den Kehren mit Höhenangabe und verbleibenden Kilometern bis zum Gletscher sind zwar eine wirklich willkommende Ablenkung, wirken aber eher wie ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Allerdings entschädigen das Hochgebirgsflair und die Blicke zurück nach Sölden, welches sehr schnell, sehr viel kleiner wird, ungemein!

 

 

Auf ca. der Hälfte des Anstiegs kommt die Gletscher-Mautstation für die Autos, eine leichte kurze Bergabpassage, dann geht es wieder richtig ab! Mit Ziegen am Straßenrand, purem Sonnenschein und dem Blick zurück geht es weiter nach oben...

 

 

 

Auf den letzten 5 km hat man quasi immer den Gletscher vor Augen! Rechts eine der Kehren...direkt in dem Himmel!!!

 

Mittlweile bin ich schon etwa 60 Gebirgspässe in Österreich, Schweiz, Italien und Frankreich gefahren mit über 60 000 Höhenmetern, aber diese 12 km und 1400 Höhenmeter hoch zum Rettenbachferner sind wirklich grenzwertig und ein ganz eigenes Kaliber!!!

 

 

 

 

Aber wie Lance Armstrong schon sagte: "Pain is temporary", hatte auch mein Leiden hier hoch irgendwann ein Ende. Auf 2670 m stand ich zum ersten Mal mit meinem Rennrad vor einem Gletscher, dem Rettenbachferner...

 

 

 

 

 

 

 

 

 

...unbeschreiblich...

 

 

 

 

 

 

 

 

Vom Rettenbachferner führt noch ein spärlich beleuchteter ca. 2 km langer und 9 % steiler geradliniger Tunnel zum Tiefenbachferner...

...und gleichzeitig dem i-Tüpfelchen unserer Strapazen und (für uns) ein weiteres besonderes Ereignis...

das erste Mal mit dem Rennrad über 2800 m und somit höher als das Stilfserjoch, der Col de l'Iseran oder der Col du Galibier!

Der Tunnelausgang liegt auf 2829 m und stellt damit (glaube ich) den höchsten asphaltiert erreichbaren Punkt in den Alpen dar!

 

 

 

 

So steil wie es bergauf geht, geht es natürlich bergab, was nicht nur Höchstbelastung für die Bremsen, sondern auch für die Arme und die Konzentration bedeutet. In Sölden angekommen, lässt es sich dafür wieder wunderschön durch das Ötztal in Richtung Campingplatz rollen...ein Wahnsinnsanstieg, eine Wahnsinnstour, ein Wahnsinnserlebnis, ein Wahnsinnstag!