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Es war wieder einmal soweit! Am 20.6.2009 machte Ich mich diesmal mit einem meiner langjährigen Laufkumpanen Christian alias Dirschi auf nach Nauders. Start- und Zielort des mittlerweile schon berühmten Dreiländergiro. Das Einzige was uns ein wenig den Spaß am Radeln hätte nehmen können, war das Wetter. Es sollte kalt werden und teilweise sogar regnen! Am Samstag Nachmittag in Nauders (1400m) angekommen, buchten wir unseren Campingplatz, holten unsere Startnummern und schwangen uns aufs Rad, um noch ein bisschen für den folgenden Tag einzurollen. Über Nauders und dem Reschenpass tat sich ein großes blaues Loch auf, bei Sonnenschein und angenehmen 15°C. rollten wir uns Richtung Reschensee ca. 30 km ein.
Die Strecke A, also die lange, führt über 170 km und 3800 Höhenmetern u.a. über den König der Alpenpässe, das Stilfser Joch. Mit 2757 m ist er einer der höchsten Passstraßen Europas und mit seinen 48 Kehren für jeden Radler ein Muss! Ich selbst bin den Pass und die ganze Strecke bereits bei meiner Radltour im Jahr 2005 gefahren, bei herrlichem Sonnenschein und 30 °C. Höhenprofil und weitere Bilder von der damaligen Tour gibt es hier
Da der Start morgens um 6:30 Uhr erfolgt, kauften wir uns am Vortag noch ein paar Beinlinge für die Knie. Im Nachhinein eine der besten Entscheidungen seit langem...
Morgens um 5 Uhr klingelte der Wecker oder besser gesagt, wir wachten sogar von selbst auf. Die heikelste Frage an diesem Morgen war, was wir anziehen? Nur Armlinge und Windjacke, oder doch noch ein langes Oberteil unter das Trikot? Wir entschieden uns beide für die wärmere Variante! Es hatte ca. 7 °C und wir waren auf 1400 m. Auch wenn es bis zum Stilfser Joch noch etwas Zeit ist, auf 2757 m ist es auf alle Fälle noch kälter! Fast hätte ich noch meine warmen Handschuhe vergessen, und dann ging es vom Campingplatz 4 km zum Start nach Nauders. Pünktlich um 6:30 Uhr ging es los, 3000 Radler machten sich auf den Weg... es war bewölkt, aber trocken!
Nach knapp 10 km erreichten wir den Reschensee, wo wir auf der hügeligeren rechten Seite vorbeifuhren. Wir trafen noch Christians Kollegen Mark, der ab diesem Zeitpunkt auch mit uns mitrollte. Plötzlich machte Christians Rad bzw. Kette eine für eine Kette sehr untypische Geräusche. Im ersten Moment dachte ich, ein Schiffshorn bläst neben mir zum Marsch. Auf der Abfahrt vom Reschensee hielten wir an und kontrollierten Dirschis Kette, sie sprang ab und zu vom Ritzel und machte dabei derartige Geräusche. Nichts tragisches, aber es kostete uns bestimmt 5 bis 10 Minuten, in denen uns zu Beginn natürlich hunderte Radler überholten.
Nach ca. einer Stunde waren wir in Prad am Stilfserjoch angekommen, aber jetzt ging es los ... auf knapp 25 km werden ca. 1900 Höhenmeter mit einer durchschnittlichen Steigung von knapp 8 % überwunden. Zwischenzeitlich steht man auch vor Rampen mit 15 %. Wir machten ordentlich Dampf hoch, überholten Radler für Radler. In Trafoi an der ersten Labestation füllten wir unsere Trinkflaschen auf, und weiter gings. Ab einer Höhe von ca. 1800 m konnte man bereits seinen eigenen Atem sehen. Bergauf friert man natürlich nicht wirklich, aber man merkte, das es immer kühler wurde. Ab einer Höhe von etwa 2200 m fing es doch tatsächlich an, ganz leicht zu schneien. Aber viel zu schwach, damit Straßen oder Kleidung nass wurden. Kehre für Kehre kurbelten wir hoch. Dadurch, dass wir von relativ weit hinten starteten, konnten wir so mühelos Radler für Radler überholen. Es lief wirklich gut...
In der letzten Kehre vor dem Pass dann die nächste Labestation. Es gab Flüssigmagnesium, Riegel, Gels und Isogetränke... mehr braucht man hier oben nicht! Wir hielten kurz an, ich machte die folgenden Bilder und innerhalb von einer Minute wurde es dermaßen kalt, dass ich dachte, ich kann mein Radl unter mir nicht mehr festhalten. Wir zogen schnell unsere Jacken wieder an und versuchten zügig weiterzufahren. Über die Passhöhe fuhren wir gleich hinweg und auf in die Abfahrt...
Nach wenigen Metern schwollen plötzlich (trotz Handschuhe) meine Hände an und ich hatte nicht mehr das geringste Gefühl darin. Ein Gefühl wie beim Zahnarzt, nur dass ich dachte, ich bekam die Spritze in meine Hände. Ich konnte so nicht richtig bremsen, geschweige denn abfahren. Ich rief zu Dirschi, dass ich am Umbrailpass kurz anhalten muss, um meine Hände zu "enteisen". Zum Glück hatte das Zollhaus am Umbrailpass auf, wir gingen hinein und wärmten uns kurz. Ohne dieses Haus wäre ich glaube ich den Pass wirklich nicht mehr hinuntergekommen. Das kostete uns zwar mindestens 10 bis 15 Minuten, aber das war uns dann auch egal. Wir wollen ja schließlich nichts riskieren.
Etwas aufgewärmt schwangen wir uns auf etwa 2500 m auf unsere Räder und fuhren das Stilfser Joch ab in Richtung St. Maria am Ofenpass. Auf der Abfahrt wusste ich teilsweise nicht was mehr klapperte: Mein Rad oder meine Zähne...
Je tiefer wir kamen desto spürbar wärmer wurde es auch. In St. Maria hielten wir wieder an einer Labestation. Wir tauten langsam auf, Mark stieß wieder zu uns, und wir machten uns auf in Richtung Ofenpass. Der Ofenpass, den wir ab St. Maria ja quasi nur noch zur Hälfte bewältigen mussten, hat es aber gerade auf den letzten Kilometern in sich. Da wird es teilweise richtig steil mit bis zu 17 %. Auf dem Ofenpass auf 2149 m ist wieder ganz leichter Schneefall zu sehen. Das Schwierigste ist geschafft, wir haben bereits knapp 100 km zurückgelegt, jetzt geht es überwiegend leicht bergab. Auf der Hälfte der Abfahrt nach Zernez dann doch: Regen! Sofort wird das Tempo gedrosselt, denn Regen auf der Abfahrt mit den dünnen Rennradreifen ist wirklich ein Balanceakt. Nach 10 Minuten hört es jedoch wieder auf, pünktlich in Zernez, an der vorletzen Labestation. Es gibt Tee und Kuchen, genau das Richtige... Von Zernez geht es knapp 50 km leicht bergab nach Martina, wo mit der Norbertshöhe der letzte 6 km lange Anstieg auf uns wartet. Wir haben eine große Gruppe gefunden. Jeder übernimmt kurzfristig die Tempoarbeit, wir rollen mit 35 bis 40 km/h nach Hause... Die Norbertshöhe sind wir dann alle drei regelrecht hochgeflogen und kamen nach insgesamt 7:10 Std. reinen Fahrzeit in Nauders an. Aufgrund unserer mehrfachen Stops und des Aufwärmes am Umbrailpass hatten wir letztendlich etwa 1 Stunde Pause.
Alles in allem war diese Tour mal wieder ein sagenhaftes Erlebnis, welches man wohl nie vergisst. Für Dirschi war dies sein erster Radmarathon, ich denke aber nicht sein letzter...
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